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Insolvenzwelle 2026: Was die aktuellen Zahlen für B2B-Forderungen bedeuten

Insolvenzwelle 2026: Prognose von 24.650 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland - höchster Stand seit über einem Jahrzehnt

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erreicht 2026 den höchsten Stand seit über zehn Jahren. Was die aktuellen Zahlen aussagen, welche Branchen besonders betroffen sind und welche Konsequenzen das für offene B2B-Forderungen hat.

Aktuelle Zahlen: Höchster Stand seit über einem Jahrzehnt

Im ersten Quartal 2026 stieg die Zahl der Insolvenzmeldungen von Kapital- und Personengesellschaften laut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auf 4.573 Fälle. Damit erreichten die Insolvenzen den höchsten Stand seit dem dritten Quartal 2005. Im Januar 2026 registrierten die deutschen Amtsgerichte 1.919 beantragte Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Bereits 2025 hatte die Statistik einen deutlichen Anstieg gezeigt. Insgesamt wurden in Deutschland 24.064 Regelinsolvenzen registriert, rund zehn Prozent mehr als 2024 und der höchste Wert seit 2014.

Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet für 2026 mit einem weiteren leichten Anstieg auf rund 24.650 Fälle. Damit läge das Niveau 23 Prozent über dem Durchschnitt vor der Pandemie. Eine Stabilisierung wird erst für 2027 erwartet.

Unternehmensinsolvenzen Deutschland 2020 bis 2027: Anstieg von 14.590 (2022) auf 24.064 (2025) und Prognose 24.650 für 2026 - höchster Stand seit 2014
Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2020 bis 2027: Nach dem Pandemie-bedingten Tief 2021 steigen die Fallzahlen kontinuierlich an.

Welche Branchen am stärksten betroffen sind

Die Insolvenzhäufigkeit unterscheidet sich deutlich nach Branche. Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im Januar 2026 laut Destatis insgesamt 5,4 Insolvenzen. Drei Branchen stechen besonders hervor:

  • Gastgewerbe: 9,1 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
  • Verkehr und Lagerei: 8,6 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
  • Baugewerbe: 7,8 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen

Auch die Allianz Trade-Daten zeigen für 2025 zweistellige Zuwächse in mehreren Wirtschaftsbereichen: Baugewerbe (+10 Prozent), Handel (+15 Prozent), freiberufliche Dienstleistungen (+10 Prozent), Gastgewerbe (+27 Prozent), Verwaltungs- und Unterstützungsdienstleistungen (+12 Prozent) sowie das verarbeitende Gewerbe (+24 Prozent). Für 2026 nennt der Kreditversicherer Bauwesen, Einzelhandel und Dienstleistungen als am stärksten gefährdete Sektoren.

Im Einzelhandel rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) für 2026 mit dem Verschwinden von rund 4.900 Geschäften. Erstmals könnte die Gesamtzahl der stationären Geschäfte unter 300.000 sinken.

Insolvenzhäufigkeit nach Branche im Januar 2026: Gastgewerbe 9,1 / Verkehr und Lagerei 8,6 / Baugewerbe 7,8 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen - Durchschnitt 5,4
Insolvenzhäufigkeit im Januar 2026 nach Branche: Gastgewerbe, Verkehr und Lagerei sowie Baugewerbe liegen deutlich über dem Durchschnitt.

Was die steigenden Insolvenzen für B2B-Forderungen bedeuten

Für Unternehmen, die auf Rechnung liefern, hat eine wachsende Insolvenzwelle eine konkrete Konsequenz: Das Risiko eines Forderungsausfalls steigt strukturell. Die Forderungen der Gläubiger aus den im Januar 2026 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 3,1 Milliarden Euro.

Wie hoch der wirtschaftliche Schaden im Einzelfall ist, zeigt eine andere Zahl: Bei abgeschlossenen Insolvenzverfahren der vergangenen Jahre erhielten Gläubiger durchschnittlich nur 3,8 Prozent ihrer Forderungen zurück (Destatis). Wer eine fünfstellige Rechnung an einen insolvent gewordenen Kunden offen hat, kann realistisch mit wenigen hundert Euro Quote rechnen.

Das durchschnittliche Forderungsausfallrisiko im deutschen B2B-Geschäft liegt nach Branchenangaben zwischen ein und drei Prozent des Jahresumsatzes. In Zeiten erhöhter Insolvenzraten kann dieser Wert deutlich nach oben rutschen, vor allem bei Klumpenrisiken in einzelnen Branchen.

Strukturelle Treiber: Energie, Geopolitik, Strukturwandel

Die aktuelle Insolvenzwelle ist nicht das Ergebnis einer einzelnen Krise, sondern einer Überlagerung mehrerer Faktoren. Allianz Trade nennt drei zentrale Schwachstellen:

  • Schwaches Wirtschaftswachstum: Die deutsche Konjunktur erholt sich nur langsam, der private Konsum bleibt gedämpft
  • Restriktivere Finanzierungsbedingungen: Banken sind bei Krediten zurückhaltender, vor allem im Mittelstand
  • Branchenspezifische Risiken: Strukturwandel, technologische Umbrüche und Wettbewerbsdruck, besonders im Bau und in der Automobilindustrie

Hinzu kommen externe Schocks. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die US-Handelspolitik und der schwächelnde Welthandel wirken nach Einschätzung der Allianz Trade-Experten als Beschleuniger. Steigende Energie- und Transportkosten treffen besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Metall und Logistik.

Konsequenzen für Liquiditäts- und Forderungsmanagement

Für Unternehmen mit B2B-Kundenstruktur ergeben sich aus der Lage drei konkrete Handlungsfelder:

Bonitätsprüfung professionalisieren. Wer noch nicht systematisch Auskünfte über Neukunden einholt, sollte das jetzt nachholen. Anbieter wie Creditreform, Schufa Business, Atradius oder CRIF liefern Bonitätsdaten in Echtzeit. Bei Bestandskunden empfiehlt sich eine regelmäßige Neubewertung, da sich Risikoprofile innerhalb weniger Monate ändern können.

Forderungsausfälle absichern. Eine Warenkreditversicherung übernimmt im Schadensfall typischerweise 80 bis 90 Prozent der versicherten Forderungssumme. Sie ist vor allem bei größeren Einzelforderungen oder Klumpenrisiken sinnvoll. Anbieter wie Allianz Trade, Atradius und Coface bieten branchenspezifische Tarife.

Liquidität entkoppeln. Lange Zahlungsziele plus erhöhtes Ausfallrisiko erzeugen einen doppelten Druck auf die eigene Liquidität. Echtes Factoring kombiniert beide Aspekte: Der Rechnungssteller erhält sofortige Liquidität auf seine Forderungen und das Factoringinstitut übernimmt im Rahmen des vereinbarten Limits das Ausfallrisiko. Eine Übersicht der unterschiedlichen Vertragsformen findet sich unter Factoring-Arten.

Welche Instrumente sich kombinieren lassen

Die genannten Instrumente schließen sich nicht aus, sondern wirken zusammen. Ein typisches Setup im Mittelstand kombiniert:
  • Strukturierte Bonitätsprüfung im Vorfeld
  • Klare Zahlungsbedingungen mit kurzen Fristen
  • Konsequentes Mahnwesen bei Verzug
  • Factoring oder Warenkreditversicherung als finanzielle Absicherung
Ergänzende Anregungen zur Verkürzung von Zahlungszielen bietet der Ratgeber zu Zahlungszielen und Cashflow-Stellschrauben. Wer prüfen möchte, welche Voraussetzungen das eigene Unternehmen für Factoring mitbringt, findet erste Orientierung unter Factoring-Voraussetzungen.

Einordnung

Die Insolvenzwelle 2026 markiert keinen punktuellen Schock, sondern den vorläufigen Höhepunkt einer mehrjährigen Trendentwicklung. Erst für 2027 erwarten die meisten Beobachter eine Stabilisierung, und auch dann auf hohem Niveau. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das: Forderungsmanagement und Liquiditätssicherung gewinnen an strategischer Bedeutung.

Wer in dieser Phase auf veraltete Strukturen setzt, also auf Bauchgefühl bei der Kundenauswahl, ungesicherte Forderungen und einen knappen Kontokorrentrahmen, vergrößert sein Risiko ohne Not. Die verfügbaren Instrumente, von der Bonitätsauskunft bis zum Factoring, sind etabliert und auf Mittelstandsstrukturen zugeschnitten. Die operative Umsetzung erfordert weniger Aufwand als die meisten Unternehmer vermuten.

Quellen und Datengrundlage

Für diesen Beitrag wurden aktuelle Marktdaten und Fachquellen ausgewertet. Die wichtigsten Quellen sind:

Die Quellen wurden zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung geprüft. Zahlen, Zinssätze und Marktangaben können sich ändern. Hinweise zur redaktionellen Arbeitsweise finden Sie auf der Redaktionsseite.

Über diesen Beitrag

Benjamin Bohrmann, Redaktion FactoringCheck

Dieser Beitrag wurde von Benjamin Bohrmann, Redaktion FactoringCheck, erstellt und fachlich geprüft. Benjamin Bohrmann beschäftigt sich seit 2009 mit Factoring, Forderungsfinanzierung und Anbieterstrukturen im deutschen Mittelstand.

Zuletzt aktualisiert: 07.05.2026

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