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Offenes Factoring - das transparente Standardverfahren im deutschen Mittelstand

Beim Offenen Factoring wird Ihr Kunde über den Forderungsverkauf informiert und zahlt direkt an den Factor. Wie das Verfahren abläuft, welche Voraussetzungen gelten und was es kostet – hier erfahren Sie alles Wesentliche.

Das Wichtigste in Kürze
  • Debitoren werden über die Abtretung informiert
  • Häufigste Factoring-Variante in Deutschland
  • In der Regel günstiger als Stilles Factoring
  • Geeignet für nahezu alle B2B-Unternehmen mit regelmäßigem Rechnungsvolumen

Was bedeutet Offenes Factoring?

Beim Offenen Factoring verkauft ein Unternehmen seine Forderungen an einen Factoringanbieter. Der wesentliche Unterschied zum Stillen Factoring: Der Debitor wird über die Abtretung informiert – üblicherweise durch einen Vermerk auf der Rechnung. Ab diesem Zeitpunkt zahlt der Kunde nicht mehr an das Unternehmen, sondern direkt an den Factor.

Diese Offenlegung ist im B2B-Bereich kein Nachteil, sondern gelebte Praxis. Die meisten gewerblichen Kunden kennen Factoring als etabliertes Finanzierungsinstrument und bewerten den Abtretungsvermerk neutral. Manche Unternehmen kommunizieren den Einsatz von Factoring sogar aktiv als Zeichen einer professionellen Finanzierungsstruktur.

Hinweis:

Offenes Factoring kann sowohl als Echtes Factoring (mit Delkredere) als auch als Unechtes Factoring (ohne Ausfallschutz) ausgestaltet werden. In Kombination mit professionellem Debitorenmanagement durch den Factor spricht man von Full-Service Factoring. Die offene Variante bildet damit die Grundlage für die meisten Factoring-Modelle am deutschen Markt.

Abtretung, Auswahl und Rechnungsvermerk

Ein häufiges Missverständnis: Offenes Factoring bedeutet nicht, dass jeder Ihrer Kunden automatisch über Ihre gesamte Finanzierungsstruktur informiert wird. Die Abtretungsanzeige erfolgt nur auf den Rechnungen, die tatsächlich an den Factor verkauft werden. Beim Selektivfactoring können Sie sogar gezielt einzelne Debitoren oder Rechnungen auswählen. Der Vermerk selbst ist sachlich formuliert und enthält lediglich den Hinweis, dass die Forderung abgetreten wurde und die Zahlung an den Factor zu leisten ist.

Abtretungsverbote und Rechtslage

Ein rechtlicher Aspekt, der in der Praxis regelmäßig Fragen aufwirft: Abtretungsverbote in den AGB oder Verträgen Ihrer Kunden. Nach § 354a HGB sind solche Verbote bei beiderseitigen Handelsgeschäften in Deutschland unwirksam. Die Forderung kann trotz Verbot wirksam abgetreten werden. Es gibt Ausnahmen – etwa bei Verträgen mit Verbrauchern oder bestimmten öffentlichen Auftraggebern -, die im Einzelfall geprüft werden sollten.

So funktioniert es in der Praxis

Sie stellen Ihre Rechnung mit einem Abtretungsvermerk an Ihren Kunden. Der Factoringanbieter kauft die Forderung und zahlt Ihnen in der Regel 80-90 % des Rechnungsbetrags innerhalb von 24-48 Stunden aus. Ihr Kunde überweist den Rechnungsbetrag direkt an den Factor. Nach Zahlungseingang erhalten Sie den Restbetrag abzüglich der Factoringgebühr.

Abtretungsvermerk und digitale Einreichung

Der Abtretungsvermerk ist ein kurzer, standardisierter Textbaustein. Der Factor stellt Vorlagen bereit, die sich in bestehende Rechnungslayouts integrieren lassen. Die meisten Anbieter stellen Online-Portale bereit, über die Sie Rechnungen digital einreichen, den Status Ihrer Forderungen verfolgen und Auszahlungen in Echtzeit einsehen.

Schnittstellen und Buchhaltung

Die Integration in gängige Buchhaltungssysteme wie DATEV, SAP oder Lexware ist bei vielen Anbietern über Schnittstellen möglich – im Idealfall genügt ein Klick, um eine Rechnung an den Factor zu übermitteln.

Für welche Unternehmen eignet sich Offenes Factoring?

Offenes Factoring ist die flexibelste Variante und eignet sich für ein breites Spektrum an Branchen und Unternehmensgrößen. Entscheidend ist, dass Ihre Kunden gewerbliche Abnehmer sind und Sie regelmäßig Rechnungen mit Zahlungszielen stellen. Auch Unternehmen mit gemischtem B2B- und B2C-Kundenstamm können Offenes Factoring nutzen, solange der gewerbliche Anteil am Forderungsvolumen überwiegt. Die Branche spielt eine untergeordnete Rolle – von Dienstleistern über Handwerksbetriebe bis zu Großhändlern nutzen Unternehmen aller Art diese Variante.

Geeignet wenn …
  • Regelmäßige B2B-Rechnungsstellung vorhanden
  • Zahlungsziele von 14-90 Tagen üblich
  • Keine vertraglichen Abtretungsverbote mit Kunden
  • Bereitschaft, Kunden über Factoring zu informieren
  • Jahresumsatz ab ca. 100.000 €
Weniger geeignet wenn …
  • Abtretungsverbote in AGB oder Verträgen verankert
  • Kundenbeziehungen, in denen absolute Diskretion entscheidend ist
  • Überwiegend Bargeschäfte oder Vorkasse
  • Sehr kurze Zahlungsziele unter 7 Tagen
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Offenes vs. Stilles Factoring im Vergleich

Der zentrale Unterschied liegt in der Kommunikation mit dem Debitor. Beim Offenen Factoring wird der Kunde informiert und zahlt direkt an den Factor. Beim Stillen Factoring bleibt der Forderungsverkauf verborgen – der Kunde zahlt weiterhin an das Unternehmen, das die Beträge intern an den Factor weiterleitet. Diese Unterscheidung wirkt sich direkt auf die Kosten aus: Da der Factor beim offenen Verfahren den Zahlungseingang kontrolliert, sinkt sein Risiko und damit die Gebühr. In der Praxis entscheiden sich die meisten Unternehmen für Offenes Factoring, sofern keine konkreten Gründe für das stille Verfahren vorliegen. Stilles Factoring ist die Ausnahme für besondere Situationen – Offenes Factoring ist der Standard.

Kriterium Offenes Factoring Stilles Factoring
Debitor wird informiert Ja - transparent Nein
Kosten Günstiger Etwas höher
Abtretungsanzeige Erforderlich Entfällt
Zahlungsweg Debitor zahlt an Factor Debitor zahlt an Unternehmen
Diskretion Keine Vollständig

FAQ: Häufige Fragen zum Offenen Factoring

Reagieren Kunden negativ auf den Abtretungsvermerk?
In der Praxis sehr selten. Factoring ist im B2B-Bereich ein etabliertes Finanzierungsinstrument. Die meisten gewerblichen Kunden kennen das Verfahren und bewerten es neutral. Manche Unternehmen informieren ihre Kunden proaktiv vor dem Start.
Was passiert, wenn mein Kunde ein Abtretungsverbot in seinen AGB hat?
Abtretungsverbote sind in Deutschland nach § 354a HGB bei beiderseitigen Handelsgeschäften unwirksam. Bei Geschäften zwischen Kaufleuten kann die Forderung trotz eines vertraglichen Verbots wirksam abgetreten werden. Ausnahmen sollten im Einzelfall geprüft werden.
Wie schnell erhalte ich die Auszahlung?
Die meisten Anbieter zahlen 80-90 % des Rechnungsbetrags innerhalb von 24 bis 48 Stunden aus. Der Restbetrag folgt nach Zahlungseingang durch den Debitor, abzüglich der Factoringgebühr.
Kann ich Offenes Factoring auch mit einzelnen Debitoren nutzen?
Das hängt vom Anbieter und der gewählten Variante ab. Beim Selektivfactoring ist eine Beschränkung auf bestimmte Kunden oder Rechnungen möglich. Beim Full-Service Factoring wird in der Regel das gesamte Portfolio abgetreten.

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